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Stroop-Test und ADHS: Wie dieser Farb-Wort-Test Aufmerksamkeitsunterschiede sichtbar macht

2026-04-11
8 Min. Lesezeit
Von: Stroop Test Research Team
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Stroop-Test und ADHS: Wie dieser Farb-Wort-Test Aufmerksamkeitsunterschiede sichtbar macht

Sie sehen das Wort „ROT“, aber die Schrift ist blau. Ihre Aufgabe ist nicht, das Wort zu lesen, sondern die Farbe der Tinte zu nennen.

Das klingt einfach, bis das Gehirn anfängt, gegen sich selbst zu arbeiten. Bei vielen Menschen mit ADHS ist dieser innere Konflikt besonders ausgeprägt.

Jahrzehntelange Forschung zeigt, dass ADHS mit messbaren Unterschieden in der Stroop-Leistung verbunden ist. Ein großes Meta-Review mit über 2.000 Teilnehmenden zeigte zum Beispiel, dass Menschen mit ADHS in Interferenzbedingungen langsamer reagieren und mehr Fehler machen.

Was genau zeigt der Stroop-Test also über ADHS? Kann er bei der Diagnose helfen? Und wie sollten Sie Ihr eigenes Ergebnis verstehen?

Was ist der Stroop-Test?

Der Stroop-Test wurde 1935 von John Ridley Stroop entwickelt. Er misst selektive Aufmerksamkeit und kognitive Interferenzkontrolle.

Das klassische Paradigma vergleicht zwei Bedingungen:

  1. Kongruente Durchgänge: Das Wort „Blau“ erscheint in blauer Farbe → Sie sagen „blau“
  2. Inkongruente Durchgänge: Das Wort „Blau“ erscheint in roter Farbe → Sie müssen „rot“ sagen

Die Differenz der Reaktionszeit zwischen diesen Bedingungen nennt man Stroop-Interferenzeffekt. Je größer sie ist, desto schwerer fällt es, die automatische Leseantwort zu unterdrücken.

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Wie beeinflusst ADHS die Stroop-Leistung?

Was die Forschung zeigt

Der Zusammenhang zwischen ADHS und Stroop-Leistung ist gut untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

1. Stärkere Interferenz

Die Meta-Analyse von Lansbergen, Kenemans und van Boxtel in Clinical Psychology Review (2007) zeigte:

  • Personen mit ADHS zeigen signifikant stärkere Stroop-Interferenz
  • der Effekt tritt bei Kindern und Erwachsenen auf
  • Unterschiede zeigen sich sowohl in langsamerer Reaktionszeit als auch in höherer Fehlerzahl

2. Das Alter verändert die Stärke des Effekts

Schwartz und Verhaeghen berichteten in Neuropsychology (2008), dass:

  • die ADHS-bezogene Stroop-Differenz im Kindesalter am stärksten ist
  • sie im Erwachsenenalter abnimmt, aber nicht verschwindet
  • bei Erwachsenen vor allem die Genauigkeit auffällig bleiben kann

3. Fehler können aussagekräftiger sein als Tempo

Ikeda et al. zeigten in Child Neuropsychology (2013), dass Interferenzwerte auf Basis von Fehlern besonders empfindlich auf ADHS reagieren. Das bedeutet:

  • jemand kann normal schnell sein
  • aber deutlich häufiger in Konfliktbedingungen falsch antworten
  • deshalb sollte man Genauigkeit und Geschwindigkeit gemeinsam betrachten

4. Der Test kann auch bei ähnlichen Problemen differenzieren

Eine Studie aus dem Jahr 2025 (PubMed: 40220591) fand Hinweise darauf, dass der Stroop-Test helfen kann, spezifische Lernstörung (SLD) von ADHS abzugrenzen. Die Gruppe mit ADHS+SLD zeigte längere Bearbeitungszeiten und mehr Fehler in Interferenzabschnitten.

Warum zeigt sich dieser Unterschied bei ADHS?

Der Stroop-Test misst nicht nur „Konzentration“. Er fordert mehrere kognitive Prozesse, die bei ADHS häufig beeinträchtigt sind.

Selektive Aufmerksamkeit

Viele Menschen mit ADHS haben mehr Schwierigkeiten, irrelevante Informationen auszublenden. Im Stroop-Test ist genau das die Aufgabe: Die Wortbedeutung muss ignoriert werden.

Inhibitorische Kontrolle

ADHS ist eng mit Schwächen in der Reaktionshemmung verbunden. Lesen ist automatisch, die Benennung der Schriftfarbe erfordert aktives Stoppen dieser Routine. Die computerisierte Studie von Homack & Riccio (2004) bestätigte solche Hemmungsprobleme bei Kindern mit ADHS.

Verarbeitungsgeschwindigkeit und kognitive Flexibilität

Der Test verlangt auch schnelles Umschalten zwischen Wort- und Farbinformation. Arbeiten von Lansbergen et al. (2007) deuten darauf hin, dass ADHS nicht nur Aufmerksamkeit betrifft, sondern auch deren flexible Steuerung.

Emotionaler Stroop: ein neuer Forschungsweg

Neuere Arbeiten nutzen den emotionalen Stroop, bei dem statt Farbwörtern emotional belastete Begriffe wie „Versagen“, „Ablehnung“ oder „Deadline“ gezeigt werden.

Eine Studie von 2025 in Frontiers in Psychology (Developing a therapeutic app based on the emotional Stroop task) zeigte:

  • Menschen mit ADHS reagieren langsamer auf negative alltagsnahe Wörter
  • der Test kann helfen zu erkennen, welche Themen besonders starke kognitive Interferenz auslösen
  • langfristig könnte dies personalisierte Interventionen unterstützen

Kann der Stroop-Test ADHS diagnostizieren?

Nein. Das ist ein wichtiger Punkt.

Der Stroop-Test ist ein Werkzeug zur Screening- und Zusatzbewertung, kein eigenständiger Diagnosetest.

  • Leistungsbereiche überlappen sich: Auch Menschen ohne ADHS können hohe Interferenzwerte haben, und Menschen mit ADHS können im Einzelfall unauffällig abschneiden
  • ADHS ist eine klinische Diagnose: Entscheidend sind Symptome in mehreren Lebensbereichen, Beginn in der Kindheit und funktionelle Beeinträchtigung
  • Der Stroop-Test ergänzt andere Daten: In der Praxis wird er zusammen mit Go/No-Go-Tests, Aufmerksamkeitsaufgaben, Verhaltensfragebögen und Anamnese eingesetzt

Wann sollte man eine professionelle Abklärung erwägen?

Wenn Sie dauerhaft Folgendes erleben:

  • Schwierigkeiten, sich auf wenig interessante Aufgaben zu konzentrieren
  • häufiges Übersehen von Details oder Anweisungen
  • impulsives Handeln mit nachträglichem Bedauern
  • chronische Desorganisation trotz eigener Strategien
  • ein Muster, das seit Kindheit oder Jugend besteht

dann lohnt sich ein Gespräch mit einem auf ADHS spezialisierten Fachmenschen.

Probieren Sie den Test selbst aus

Unsere Online-Version misst Reaktionszeit und Genauigkeit in kongruenten und inkongruenten Durchgängen.

→ Kostenlosen Stroop-Test starten

Für Unterricht oder Gruppensettings gibt es außerdem ein kostenloses druckbares Stroop-Test-PDF.

Nach Abschluss sehen Sie:

  • Ihre durchschnittliche Reaktionszeit pro Bedingung
  • Ihren Stroop-Interferenzwert
  • einen Vergleich mit typischen Bereichen

Wichtig: Diese Ergebnisse dienen nur der Information und Selbstbeobachtung. Sie sind nicht geeignet, ADHS oder andere Störungen selbst zu diagnostizieren. Bei ernsthaften Fragen wenden Sie sich bitte an qualifizierte Fachpersonen.

Vergleich mit anderen ADHS-Bewertungsinstrumenten

TestWas er misstRelevanz für ADHS
Stroop-TestSelektive Aufmerksamkeit, InterferenzkontrolleZeigt Schwierigkeiten beim Unterdrücken automatischer Reaktionen
Go/No-Go-TestMotorische Hemmung, ImpulsivitätMisst Bremsfähigkeit direkter
N-Back-TestAktualisierung des ArbeitsgedächtnissesBewertet eine bei ADHS oft schwächere Funktion; hier ausprobieren
CPTDaueraufmerksamkeitHäufig in der klinischen Diagnostik genutzt
VerhaltensskalenAlltagsfunktionErfassen Symptome in Schule, Beruf und Zuhause

Kein Test allein liefert das ganze Bild. Der Wert des Stroop-Tests liegt darin, zu zeigen, wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht.

Die wichtigsten Punkte

  1. Die Evidenz ist konsistent: ADHS ist im Durchschnitt mit stärkerer Stroop-Interferenz verbunden
  2. Fehler sind ebenso wichtig wie Tempo
  3. Der Test hilft bei der Bewertung, aber diagnostiziert nicht allein
  4. Das Alter verändert das Muster
  5. Emotionale Varianten könnten künftig noch nützlicher werden

Weiterführende Artikel

Referenzen

  1. Lansbergen, M. M., Kenemans, J. L., & van Boxtel, G. J. (2007). Stroop interference and attention-deficit/hyperactivity disorder: a review and meta-analysis. Clinical Psychology Review, 27(4), 438-450. PubMed

  2. Schwartz, K., & Verhaeghen, P. (2008). ADHD and Stroop interference from age 9 to age 41 years: a meta-analysis of developmental effects. Neuropsychology, 22(3), 333-339. PubMed

  3. Ikeda, Y., Okuzumi, H., & Kokubun, M. (2013). Stroop/reverse-Stroop interference in typical development and its relation to symptoms of ADHD. Child Neuropsychology, 19(3), 304-318. PubMed

  4. Homack, S., & Riccio, C. A. (2004). Computerized stroop test to assess selective attention in children with attention deficit hyperactivity disorder. International Journal of Neuroscience, 114(12), 1561-1578. PubMed

  5. Can the Stroop Test be useful in differentiating specific learning disorder from attention deficit hyperactivity disorder in medication-free children? (2025). PubMed

  6. Developing a therapeutic app based on the emotional Stroop task for objective discovery of daily life issues for people with ADHD. (2025). Frontiers in Psychology. Full Text

Veröffentlicht am 2026-04-11 • Stroop Test Research Team

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